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Reportage |
Tour d’Afrique – 11.750 KM durch Afrika
Das härteste Mountainbike-Rennen der Welt
Am frühen Morgen des 17. Jänners 2004 fing alles an – in Kairo mit dem Bild der mächtigen Pyramiden von Gizeh und der thronenden Erscheinung der Shinx im Rücken - und endete am nebeligen Nachmittag des 16. Mai am Fuße des imposanten Tafelbergs in Kapstadt.
10 afrikanische Länder, 100 Renntage, 11.750 Kilometer und 65.000 Höhenmeter absolvierte die einundzwanzigjährige Niederösterreicherin Sandra Simon in 529 Stunden und 18 Minuten am Mountainbike.
Die Tour d’Afrique gilt als das härteste Mountainbikerennen der Welt, als eines der größten Abenteuer, die dieser Planet noch zu bieten hat und als eine der herausforderndsten Prüfungen an den menschlichen Körper und Geist.
Knapp vierzig Aussteiger, Weltenbummler, Radsportfreunde, Wahnsinnige - oder wie auch immer man sie nennen mag - aus der ganzen Welt nahmen an dieser Tour längs des afrikanischen Kontinent teil.
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Die Selektion Wenn man leicht Heimweh bekommt, schnell krank wird, Komfort und Luxus braucht, wenn man Kühlschränke, Duschen, WC oder Elektrizität nicht missen möchte, wenn man auf Sauberkeit wert legt und sich lieber von Staub und Schmutz fernhält, wenn man große Hitze lieber in klimatisierten Räumen verbringt und sich an endlosen Regentagen lieber in ein warmes Bett kuschelt, so sollte man sich von dieser Tour lieber fernhalten!
Doch ist man einer jener verrückten Menschen, die
aus dem Alltag ausbrechen wollen um sich auf ein großes Abenteuer zu begeben,
die unzählige Erinnerungen sammeln wollen, die Situationen erleben wollen, die
so richtig unter die Haut gehen, die sich jeder Herausforderung stellen, die
nur durch ihren Optimismus und ihren Glauben an sich selbst und das Gute auf
der Welt zu bestehen sind, ist man eine jener offnen Seelen, die eine neue
Kultur kennenlernen wollen, atemberaubende Landschaftsbilder in sich aufsaugen
wollen, das Lächeln von Menschen sehen wollen, das sie ihr ganzes Leben lang
nicht mehr loslässt, so ist man hier genau richtig! Die Tour bestand im Groben aus zwei Gruppen von Fahren: THE RACERS waren jene, die sich täglich ein Rennen geliefert haben und THE RIDERS die mit ihrem Bike Afrika durchquerte, Fotos machten und es EASY nahmen. |
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| Die Küche und ihr Koch | Der Chef de Cuisine wartet auf die Biker | Sandra vertreibt sich die Zeit |
| Die Tourzusammenfassung: Das außergewöhnliche Radrennen startete in Ägypten. Gut befestigte Straßen boten den FahrerInnen einen schonungsvollen Einstieg während der ersten Renntage. Mit einem uralten, rostigen Frachter setzte die Gruppe von Abu Simbel aus über den Lake Nasser in den Sudan über und hier sollte das Abenteuer eigentlich erst so richtig losgehen. Wüstenboden statt Asphalt, 40 Grad statt der angenehmen 25, Ruhe statt quirliger Touristen-Zentren. Während sich die Biker mit eisernen Willen durch die nubische Wüste vorarbeiteten blieben die Crew-Mitglieder mit ihren Begleitfahrzeugen immer wieder im tiefen Sand liegen. Und obwohl es weder Straßen, noch Wegweiser oder Ortschilder gab (zumindest nicht mit einer Aufschrift, die man lesen konnte), hat man sich doch immer wieder gefunden, wenn auch nicht am selben Tag… Sich in der Wüste zu verfahren war nicht schwer, den richtigen Weg ohne Trinken, ohne Essen und vor allem ohne Panik wieder hinauszufinden hingegen sehr. |
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| Wüstencamp wie bei einer Marsmission | Wer sein Rad liebt der schiebt (oder besser der tragt es) |
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Bei der Einreise in das eindruckvollste und gebirgigste Land Afrikas - Äthiopien gab es für Sandra Simon am 15.02. eine böse Überraschung. Ihr Visum wurde irrtümlich auf 2003 ausgestellt und war somit ungültig. 800 km zurück nach Karthoum lautete die Anweisung der Behörden für die Österreicherin und zwei weitere Teilnehmer, was dem Ende der Tour gleichgekommen wäre. Das Rennen wurde Tags darauf dennoch normal gestartet und die drei Unglücksraben wurden einfach mit einem kleinen Rucksack gepackt mit dem nötigsten zurückgelassen, das Gepäck im Truck mitgenommen. Fieberhaft versuchten Sandra und ihre beiden Kollegen im Laufe des Vormittags die Botschaft in Addis Abeba anzurufen, um die Übermittlung einer Einreise-Erlaubnis per Fax zu erwirken. Angesichts der Strohhütte, die das Immigrationsbüro von Matama beherbergte, ein kühnes Unterfangen. Den fehlenden und rauschenden Telefonleitungen zum Trotz gelang das Kunststück aber doch! Unter der sengenden Mittagssonne startet das Trio schließlich die Aufholjagd. 90km und über 1500 hm in den äthiopischen Bergen, ohne Versorgungsstationen, ohne Essen und mit nur 3 Liter Flüssigkeit. Das zufällig vorbeifahrende Militär allerdings rettete die Racer mit sechs Colaflaschen, die extra aus dem nächsten Dorf besorgt wurden. |
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| "Immigrationsbüro" Matama | "These guys saved our asses!" |
| Die
Route in Äthiopien verlief permanent über 2000 bis 3000 Meter über dem Meer. Grüne
Felder und Eukalyptuswälder statt Eis und Schnee wie es in Österreich der Fall
wäre. Der Untergrund war schwierig – Schotter, Sand, Felsen, Holz- und
Metall-Splitter, die Höhenmeter mit ca. 3000 täglich beachtlich. Dazu gesellten
sich Durchfall und Magenkrämpfe die im Camp hausierten. Auch Sandra kämpfte
Tage lang mit den Folgen des schmutzigen Wassers und der mangelnden Hygiene.
Der Flüssigkeitsverlust in der Hitze während Tagen zwischen 7 und 9 Stunden am
Bike war kaum auszugleichen. Sandra saß krank am Bike und musste an einem Tag
sogar eine Infusion bekommen, da sie völlig dehydriert spät abends ins Camp
kam.
Doch das Land brachte auch gute Tage. Auf der Königsetappe der ganzen Tour belegte Sandra den dritten Platz hinter einem Fahrer aus Äthiopien und dem Gesamtgewinner Rob van der Geest. „Äthiopien war das tiefgehendste und schwierigste Land der Tour! Millionen von Kindern begegneten uns auf unserer Fahrt. Alle bettelten dich um Geld oder Schuhe an. Ich werde diese Augen nie vergessen, die nicht verstehen konnten, warum WEISSER MANN nicht hilft wo er doch Geld hat. Doch man kann nicht. Man kann einfach nicht jedem etwas geben. Viele Kinder warfen mit Steinen nach uns, was unzählige Blutergüsse am ganzen Körper als Folge hatte. Und viele andere wollten einfach nur deine Hand berühren und wenn sie konnten dann lachten sie herzlich und dieses Lachen ließ dich dann wieder etwas schneller fahren. Die Menschen waren begeistert, säumten die Bergstraßen, liefen neben uns her, feuerten uns an und peitschten dich förmlich über die Pässe. Mit unseren High-Techbikes und Outfits müssen wir auf sie wie Außerirdische gewirkt haben.“ |
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| 1.500 hm am Stück und hinter jeder Serpentine
warte die nächste – Platz 3 für Sandra! |
| In
Kenia wurde es wieder flach und trocken. Steine, Sand und Dornenbüsche
bestimmten die Szenerie. Unmengen an Fliegen, Stechmücken und heißem Wüstenwind
potenzierten das Leid der RennfahrerInnen, die am ruppigen Lavagestein, das ein
Fahren über 8km/h schwierig machte, oft zu Sturz kamen. Mit Militärschutz, um
eventuelle Banditen abzuschrecken, führte die Strecke über die Westseite des
schneebedeckten Mount Kenya ins Nationalreservat der Samburu-Krieger. 60 Kamele
bot ein junger Samburu auf Brautschau dem Tour-Direktor Henry Gold für Sandra. |
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Just married? 60 Kamel
waren Tourorganisator |
Und die Straßen
werden besser und |
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Weiter ging es durch den Regenwald Tansanias, vorbei an der Westflanke des Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas, dessen Schneehaube majestätisch auf die Rennfahrer niederblickte. „Biken in Tansania bedeutet Offroad pur: bergig, viel Gelände, kaum einmal kürzer als acht Stunden unterwegs. Im Süden des Landes erlauben die roten Lehmpisten dann aber Speed zu machen – zumindest solange die Regenzeit auf sich warten ließ. Tansania wird als mein liebstes Land der Tour erklärt. Affen, Löwen, Elefanten, Giraffen, Büffel,… jede Art von Wildleben kam uns zu Gesicht.“ Nur 100 km vor der malawischen Grenze platzte jedoch die Idylle. Mitten in der Nacht knallte ein LKW auf ein unmittelbar vor dem Camp geparktes Auto. Die Trümmer flogen durch die Luft. Nur knapp vor den ersten Zelten kommt der LKW zu stehen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, der Schock saß aber tief. |
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| Wildlife |
Warum ist mein Schatten schneller als ich? |
Morgennebel |
| Mit der Einreise nach Malawi öffnete der Himmel seine Schleusen und die Tour kam direkt in die Regenzeit. Malawi war eine Mischung aus pechschwarzen Wolkenwänden, stürmischen Tropenwinden, sintflutartigen, stundenlangen Regenfällen, schweren Gewittern – Tag und Nacht. Und so absolvierten die Fahrer Etappe um Etappe, kämpften sich durch schlammigen Regenwald und über rutschigen Lehm, erreichten völlig durchnässt das Camp, wo keine Rettung in Sicht war. „Bis das Zelt stand war es nass, sowie Kleidung und Schuhe. Ich glaube ich hatte 10 Tage durchgehend keine trockenen Sachen an. Dieses Land hat uns allen körperlich und vor allem geistig ganz schön zugesetzt.“ |
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| traumhaft schön, aber patschnass | kein Platz mehr für Wasser von oben |
| Genau zur richtigen Zeit kam österreichischer Triathlet Christian Wallisch nach Zambia um Sandra zu unterstützen. Ein Massensturz in der Spitzengruppe in den die beiden Österreicher verwickelt waren sowie zwei Etappensiege in den wunderschönen Bergetappen auf Asphalt sind die Erinnerungen an Land Nummer sieben. |
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| Unterstützung aus Österreich: Triathlet Christian Wallisch |
| Bevor der Tross nach Botswana einradelte pausierten sie einen Tag bei den Viktoriafällen. Sandra pfeiffe auf das gemütliche Programm ihrer Kollegen (Bootsfahrt im Viktoria-Delta) und wagte einen Bungee-Sprung – 111 Meter hinein in die Tiefe der donnernden Sambesi. |
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| 5,4,3,2,1 – Bungeeeeeee! | Aus dem Weg!!!!! |
| Namiba bot noch mal Offroad und Berge, noch mal Wüste und Endlosigkeit. Der Fish River Canyon stellte das Highlight dieses Landes dar. |
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| Quer durch die namibische Kalahari |
| Auf der Grenze nach Südafrika traf Sandra auf ihre Eltern, die sie auf den letzten sechs Tagen ihrer Tour des Lebens begleiteten. Auf der Straße und bei kühlen Temperaturen schleppten sich die ausgelaugten Fahrer dem Ziel ihrer lange Reise entgegen. Am 15.05.2004 waren alle Strapazen für Sandra Simon Geschichte. Vor einer riesigen Zuschauerkulisse überquerte sie als erste Dame vor Stefanie Falkenstein (USA) und Yuko Isuzu (JAP) die Ziellinie im nebelverhangenen Kapstadt. |
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| Sandra Simon am Ziel ihrer Träume Nach 100 harten Renntagen quer durch Afrika erreicht sie Kapstadt als souveräne Siegerin! |
„Das Gefühl nach einer so gigantischen Distanz über die Ziellinie zu fahren ist überwältigend und man vergisst in einer Sekunde all die Qualen. Wenn ich auf die Landkarte schaue und den Weg betrachte, den wir zurückgelegt haben, so kann ich es einfach nicht fassen. Dieses Rennen war das wohl größte Abenteuer meines Lebens. Die harten Bedingungen meiner Reise quer über den afrikanischen Kontinent hatten mich immer wieder auf die Probe gestellt, mir alles abverlangt, mich über meine Grenzen, über mich selbst hinaus gezwungen. Und die Schönheit und Stille der Menschen und der Landschaften hatten mir Kraft gegeben, meine emotionalen Reserven erneuert und meine Müdigkeit aufgelöst. Nachdem ich Afrika durchquert habe, weiß ich, dass ich beinahe alles überleben kann, dass ich auf eigenen Füssen stehen und mir in jeder Situation vertrauen kann. Ich war stolz darauf als mit der österreichischen Flagge auf dem Siegespodest zu stehen und ich möchte allen danken, die mich auf diesem Weg unterstützt haben!“ |

















